eigene

malen

Malen bedeutet für mich durch den Farbauftrag eine vorhandene Struktur sichtbar machen. Sei es durch die Hervorhebung des Untergrundes, oder die Art des Auftrages.

Zuerst entscheide ich mich für ein Material, bisher meist klassisches Künstlermaterial, wie Papier, Pigment, Tusche oder Öl, und ergründe, überprüfe sein Verhalten. Dies stellt für mich mein Forschungsfeld dar.

Materialprüfung und –Studien sind der erste Teil meines Experimentes.

Aus der Fragestellung, „Wie kann ich Farbstoff mit einen Bildträger verbinden? “, entwickle ich in Versuchsanordnungen letztlich meine eigene Technik.

So habe ich mich nach jahrelangen Experimenten auf  den Einsatz von mineralischen Farbpigmenten begrenzt. Diese erlauben mir, durch ihre kristalline Grundstruktur, welche sich nie ganz im Bindemittel auflöst, einen reliefartigen Aufbau an der Unebenheit des Leinwandgewebes. Mehrmaliges Abstreifen des mineralischen Pigmentes an den erhöhten Stellen des Bildträgers verdichten das feine Mineral dort, und bilden nach einem langen Prozess „Farb- Inselgruppen“.

Verwende ich statt Leinwand Papiercollagen aus Daphne oder Papyrus als Bildträger, erhalte ich gröbere, reliefartige “Farb- Berge“ . Durch die Verleimung von gleichen Papieren, wird die dem Papier eigene Faserstruktur hervorgehoben, d.h. die Glättung des Bogens wird durch die Nässung aufgehoben, und das Papier wirft sich in die Faserstruktur. Diese hebe ich ebenfalls durch das Abstreifen/Anlagern des mineralischen Pigmentes hervor, d.h. die vorhandene Gewebe oder- Papierstruktur wird farblich sicht bar.

Den Arbeiten mit Tusche ging ebenfalls die Fragestellung „nach der Entwicklung eines eigenen Farbauftrages “ , voraus. Nach vielen Studien mit verschiedenen Pinseln, ging ich schließlich zum „direkten“ Farbauftrag über.

Die entscheidende Entdeckung war schließlich, „nicht die Tusche auf den Träger aufzubringen, sondern den Träger in die Tusche zu tauchen “ .

Ist die richtige Konzentration der Tusche für das jeweilige Papier ermittelt, wird die Art der Faltung entschieden. Ich falte Papierbögen zu kleinen Papierheften zusammen, und tunkte sie in ein Becken mit Tusche. Das Papier saugt die Tusche auf. Je nachdem wie ich getaucht habe, entsteht eine Tuschestruktur, die durch das Öffnen des Papierheftes sichtbar wird.

Nach dem Trocknen leime ich die Papierbögen auf Leinwand, so wird die „mechanische“ Faltung „unsichtbar “ .

Schichte ich Papierbögen mit Tuschemuster übereinander, entsteht eine räumliche Struktur. Die Trennung der Tuschestruktur, und Neuanordnung führt zur Auflösung oder Verdichtung.

Alle diese Techniken versuche ich in Versuchsanordnungen ständig zu überprüfen. Im Scheitern liegen oft neue Ansätze verborgen, deren Analysierung für mich manchmal der erste Schritt zu einem neuen Konzept darstellt.

Die Überprüfung der Relevanz jedes einzelnen Arbeitsschrittes steht für mich im Vordergrund.

Der Schwamm, mein meistgebrauchtes Werkzeug, hat mir erst nach Jahren offenbart das er nicht nur Farbträger und Überträger ist, sondern auch Druckstock. Die sich daraus ergebenden Farb- und Strukturbilder beschäftigen mich gerade.

Der Dialog zwischen Farbkörper und Bildträger und die Frage „kann der Farbträger nicht auch der Bildträger sein “ , ist mein neustes Forschungsgebiet.

Manu Wurch, Dezember 2008